Home
search
News
Morsix
Morsix english
cwa Club
ILT-Schule
Ham Radio
My QSL Cards
Ham Awards
Ham Videos
DXCC-HONOR-ROLL
Cool QSL's
DX-peditions
SY Eldorado
Cruising Stories
Chesterfield Reef
Kängurus
Krokodile
Bali
Thailand
Singapore
Indic
Chagos
Malediven
Madagaskar
Komoren
Safari
Traumschiff
Mosselbay
Namibia
Lüderitz
Die Welt ist rund
Eldorado Story
Glossar
Tenerife
Links
   
 

25 Lüderitz - Stadt im ehemaligen Deutsch Südwest Afrika










Auch vom Kapp’s Konzert und Ballsaal steht leider nur noch die Fassade: Im altehrwürdigen Gebäude ist heute ein Ausverkaufs-Ramsch-Markt untergebracht.

Lüderitz, die Wüstenstadt, steht in einer öden Landschaft, der Sand reicht hier bis zur Küste. Von der Ferne sieht es aus, als wäre der Sand ein braunes Nebelmeer. Lüderitz wurde um 1883 vom Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz gegründet, Reichskanzler Bismarck stellte das Gebiet unter deutsche Schutzherrschaft. Das ‚Deutschtum‘ soll hier in Südwestafrika noch sehr ausgeprägt sein, hat man uns verraten. Viele Schwarze sollen Deutsch sprechen.

Mit einer eigenartiger Erwartung streifen wir durch die Strassen mit den deutschen Namen. Es gibt hier eine Bismarckstrassse ebenso wie eine Bahnhofstrasse, obwohl vom Bahnhof Lüderitz nur noch die Gebäude stehen. Er soll allerdings in den nächsten Jahren wieder aktiviert werden. Es ist als ob wir in eine Zeitmaschine geraten wären, in der man sich in die Vergangenheit zurück versetzen kann. Die Apotheke heisst zwar nicht mehr ‚Reichsapotheke‘ sondern schlicht Reichs Pharmacy. Dafür gibt es das ‚Kapp’s Ballhaus‘ noch, die ‚Lesehalle‘ und auch die ‚Turnhalle‘ mit dem ‚Männerturnverein‘. Doch beim genauen Hinsehen stellt man fest, dass nur noch die Hausfassaden da sind, Zeugen einer einst ruhmreichen Vergangenheit. Leblose Gebäude, die ihren Zweck nicht mehr erfüllen und nur noch an eine längst vergangene Zeit erinnern.

Die heutige, schwarze, namibische Regierung will offenbar diese Zeugen der Vergangenheit eliminieren. Auch sind viele junge Schwarze an deren Erhaltung offenbar nicht interessiert.

In einer anderen Stadt, in Swapkomund hat man schon begonnen, die deutschen Strassennamen durch englische und afrikanische Namen zu ersetzen.

Eigentlich schade, dass die einstige ruhmreiche deutsche Epoche nun so sang- und klanglos untergehen soll. Davon wollen allerdings die alten Lüderitzer gar nichts wissen. «... und fragt dich einer, was hält euch hier fest, so sag ich nur, wir lieben unser Südwest...», so der Refrain des Südwester-Liedes, das der 74-jährige Siegfried mit kräftiger Stimme schmettert, während er uns durch die Gegend kutschiert, selbstverständlich mit einem alten Mercedes. Ob der alte Pioniergeist wohl in der jungen Generation weiterleben wird?

Vor allem Diamantenfunde hatten einst viele Menschen angelockt, und Lüderitz Blüte und Wohlstand gebracht, ein vergänglicher Glanz allerdings. «Barmaids were paid in Diamonds, when cash run out», steht im Museum in Kolmanskuppe, der nahen Bergwerksiedlung. Man bezahlte seine Zeche schon mal in Diamanten, wenn das Bargeld knapp wurde. Von Kolmanskuppe stehen heute nur noch leere Gebäude als Geisterstadt mitten in der Wüste.






Die Badewanne hat man als zweifelhafte Attraktion vor eines der zerfallenen Gebäude in Kolmannskuppe gestellt. Die Touris sollen sich hier für ein Erinnerungsbild wohl hinein setzen.

Der heisse Wüstensand holt sich die leerstehenden Gebäude langsam wieder zurück, der Sand macht sich darin breit. Kolmannskuppe ist heute eine Touristenattraktion, die Besucher werden mit Autobussen oder nobler, per 4x4-Allrad-Fahrzeug heran gekarrt. Man besichtigt ein kleines Museum, staunt das voll eingerichtete, aber auch leerstehende Haus des Krämers an. «Hier in dieser Kegelbahn fanden vielerlei Kegelabende statt, am 4. Juni 1927 gar ein Preiskegelabend des Kegelklubs ‚Gut Holz‘», verrät uns Anita in der ehemaligen Kegelbahn und zeigt uns ein altes Plakat. Die nette Dame führt heute die Touristen durch die Geisterstadt.

Und wenn eine Tür in den Angeln knarrt und der Wind sie hin- und her bewegt, sieht man im Geiste die Menschen sich bewegen, wie in einem alten Goldgräberfilm. Wie muss es vor siebzig Jahren hier ausgesehen haben, voll Leben, voll Betrieb. Und die Menschen voller Hoffnung auf einen schnellen Reichtum. Und alles wegen den glitzernden Steinen, die aus der Wüste gekratzt wurden und die eine ganze Epoche geprägt haben. Doch die Lichter sind hier längst ausgegangen, alles ist nur noch leere Attrappe.

Der neue, grosse Diamantenfund unten am Oranje River hat dieser Bergwerksstadt bei Lüderitz endgültig den Todesstoss versetzt. Alle folgten dem neuen Lockruf, 1956 verliess der letzte Bewohner Kolmanskuppe.

Schön wäre es, wenn hier in diese historische Stätte wieder etwas Leben zurückkehren würde. Man bemüht sich zwar, in der alten Turnhalle werden die Turngeräte gepflegt und geputzt. Warum nicht mal eine Veranstaltung nach hier verlegen? Vielleicht könnte man auch eine kleine Schau-Mine ins Leben rufen, in der den Besuchern gezeigt wird, wie die Diamanten geschürft wurden. Das wäre doch eine vornehme Aufgabe für die Minengesellschaft, der diese Siedlung immer noch gehört. Der Videofilm, den sie den Touristen zeigen, ist zwar interessant, passt aber so schlecht in diese Geisterstadt. Die Touris, die heute etwas verloren zwischen den einzelnen Gebäuden in der Wüste herumstehen, wirken jedenfalls eher deplaziert.


                                              << Back                                       Home >>