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18 Nosy Bé, Madagaskar










Bilder wie aus einer anderen Welt: Kleine Ausleger-Kanus mit grossen Segeln bringen frische Früchte zum Markt


Träumend sitze ich am nächsten Morgen im Cockpit und staune zum Hafen Hellville hinüber, wo schon so früh eine grosse Menschenmenge da steht. Hafen ist zwar leicht übertrieben, es ist einfach eine Anlegestelle, an die sich allerlei Boote heran drängen. Kleine Motorschiffe kommen und bringen Menschen zur Insel und holen Gäste ab. Taxifahrer rufen herum und geschäftige Frauen verkaufen an kleinen Marktständen allerlei Sachen. Trotzdem wirkt es hier auf der Insel Nosy Bé ruhig und beschaulich, ein bisschen wie in einer anderen Welt. Nosy Bé heisst ‚Grosse Insel‘, was mindestens im Vergleich zu den umliegenden kleineren Inseln sicher zutrifft.


Die Menschen sind hier meist dunkelhäutig, wir sind schliesslich nur noch knapp 300 Meilen vom afrikanischen Kontinent entfernt. Lautlos gleiten kleine Auslegerboote vorbei, alle mit einem grossen Segel ausgerüstet. Als Segel dienen auch mal eine Anzahl aneinander genähte Stoff-Fetzen, man weiss sich offenbar hier zu helfen. Wir haben diese Boote ‚Leintücher‘ getauft. Erstaunlich, wie schnell sich diese Boote im leichten Morgenwind fortbewegen, mit kleinen Ruderstössen wird nachgeholfen, wenn wenig Wind herrscht. Fröhliche, lachende Menschen sitzen drin, sie bringen Waren zum Markt: Bananen, Kokosnüsse und auch mal eine Ladung Ananas. Und da hinten kommt doch tatsächlich noch ein grosser Lastensegler mit Lateiner-Besegelung, es sieht wirklich so aus wie im letzten Jahrhundert, wäre da nicht der Stapel Plastik Harasse, die er geladen hat.

Die Einklarierung geht problemlos, allerdings muss ich die Original-Schiffspapiere abgeben, Kopien wollen sie hier keine haben. Erst beim Ausklarieren bekommt man die Papiere wieder zurück. Früher gab es bei der Einreise ein Drei-Monats-Visum, heute bekommt man nur noch eins für 30 Tage, das kostet 200'000 FMG pro Person. Die Währung hier heisst Francs Malgasy (FMG), wir müssen uns wieder mal an grosse Zahlen gewöhnen. 7'000 FMG bekommt man hier für einen US Dollar, rund 4000 FMG für einen Schweizerfranken. Die grösste Banknote hat einen Gegenwert von 25'000 FMG, etwas mehr als drei Dollar. Meist sind zehn solcher Scheine mit einer Heftzwecke zu einem Bündel zusammengeheftet. Das Visa kostet demnach rund 28 US$. Auch Zoll, Immigration und Quarantäne fordern ihren Obolus, alles zusammen nochmals etwa 30 Dollar. Der Quarantäne Mensch kommt sogar auf die Eldorado und inspiziert die Küche und unsere Vorräte. Da die Behörden hier keine Schiffe haben, steigt der Beamte kurzerhand in unser Dingi. Nachdem er bei uns fertig kontrolliert hat, bringe ich ihn gleich hinüber zum Nachbarschiff, der deutschen Tosimoh.


Wir schlendern in die Stadt, der erste Eindruck ist vielfältig. Hellville ist eine typische Stadt aus der früheren französischen Kolonialzeit. Allerdings zerfallen viele der einst schönen Prachtbauten, die Regierung hat offenbar weder Lust noch Geld, die Vergangenheit zu erhalten. Neue Gebäude sind vorwiegend Zweckbauten. Wir sehen bei einem Neubau zu, wie eine Decke betoniert wird. Alles Handarbeit, der Beton wird mit kleinen Kübeln und Säcken von unzähligen Helfern heran geschleppt. Hier ist jeder froh, überhaupt eine Arbeit zu haben. Klapprige Vehikel verkehren auf den löchrigen Strassen ebenso, wie neuere, vorwiegend französische Autos und hölzerne Wagen, die von Zebus gezogen werden.

Madagaskar ist nach Grönland, Neuguinea und Borneo die viertgrösste Insel der Welt. Sie ist von der Südostküste Afrikas durch eine Meerenge, der Strasse von Moçambique getrennt. Antananarivo ist die Hauptstadt und zugleich grösste Stadt. Sie liegt auf einer Hochebene. Der Zungenbrecher heisst hier einfach Tana.

«Die Insel Madagaskar ist rund 1500 km lang und etwa 450 km breit», weiss François, ein Franzose, den ich im Café Oasis treffe. «Die Berge auf Madagaskar erheben sich bis zu einer Höhe von 2‘800 Metern», erklärt er weiter. Wer hätte das gedacht? «In Madagaskar leben wohl etwa 15 Millionen Einwohner, so genau weiss man das nicht», schmunzelt François.

Der Markt ist farbenfroh, Tomaten werden neben Ananas verkauft, die Orangen sind noch grün und lassen sich nur schwer schälen. Auch geheimnisvolle Kräuter, lebende Hühner und Vanille gehören zum Angebot. In der Fleischhalle riecht es etwas fremd, ich kann mich beherrschen, da rein zu gehen. Viele Frauen sind mit bunten Tücher gekleidet, sie schreiten anmutig durch die Strassen. Oft tragen sie grosse Körbe auf den Köpfen. Und wir sitzen im Café Oasis und staunen in der Gegend herum.

Dass Zuckerohr ein wichtiges Gut ist, bekommt man sehr schnell mit. Rum wird hier auf Nosy Bé in verschiedenen Sorten hergestellt, auf dem Markt wird er auch offen verkauft. Er kostet nur einige Dollar pro Liter und schmeckt tropisch und exotisch zugleich.

Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt pro Einwohner rund 260 US-Dollar, rund Hundert mal weniger als bei den reichen Westeuropäern und den Amerikanern. Die Landwirtschaft ist der grösste Wirtschaftsfaktor. Viele Betriebe, die von französischen Anteilseignern beherrscht waren, wurden 1975 verstaatlicht. Heute steht aber vieles wieder still, man ist offenbar nicht in der Lage, selbständig zu produzieren.

Angepflanzt werden Reis, sowie Maniok, Bohnen, Bananen, Mais, Kartoffeln, und Taro. Dann auch Kaffee, Gewürznelkenbäume, Zuckerrohr, Sisal, Tabak und rund 80 Prozent des Weltangebots an Vanille.


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